Konjunkturanalysen

Angespannte Lage, aber auf Erholungskurs

Branchenbericht Industrie Q1 2026

04. Februar 2026

Die Schweizer Industrie leidet bereits seit 2023 vermehrt unter einer ungenügenden Nachfrage – geprägt von der schwachen Entwicklung in der Eurozone, insbesondere in Deutschland, sowie einem starken Franken. Gerade die Neuausrichtung der US-Handelspolitik hat die Unsicherheit in der Branche noch weiter erhöht. Dennoch hat sich die Weltwirtschaft bisher robuster als erwartet gezeigt.

Diese Turbulenzen haben auch den Zürcher Industriebetrieben zugesetzt. Besonders die Zoll-Ankündigungen aus Washington Anfang April («Liberation Day») sowie die Verhängung von deutlich höheren Strafzöllen gegenüber Schweizer Warenimporten in die USA per 7. August haben die Geschäftslage eingetrübt. Kleinere Betriebe waren dabei besonders betroffen.

Gegen Ende Jahr hat sich die Lage für Zürcher Industriebetriebe wieder etwas aufgehellt, nicht zuletzt dank der am 14. November erreichten provisorischen Zoll-Einigung mit der Trump-Regierung. Damit sind Schweizer Exporteure im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz wieder wettbewerbsfähig. Dadurch – das zeigen die Daten – haben sich auch Ertragslage und Auftragsbestand wieder verbessert.

Die Zürcher Industrie, die einen relativ starken MEM-Sektor aufweist, zeigte sich insgesamt ein wenig resilienter als die Schweizer Industrie. Dies hat in erster Linie mit einer generell tieferen Exportabhängigkeit, aber auch mit einer tieferen Exportquote in die USA als in der restlichen Schweiz zu tun. Entsprechend konnten Zürcher Industriebetriebe die Auslastung ihrer Produktionskapazitäten relativ stabil halten, und der Druck auf Industriearbeitsplätze war etwas weniger ausgeprägt als anderswo in der Schweiz.

Zürcher Industriebetriebe erwarten in den kommenden Monaten wieder eine stärkere Auslandsnachfrage. Der Zoll-Deal sowie das angekündigte deutsche Fiskalpaket – für Zürcher Industrieunternehmen ist der deutsche Markt relevanter als die USA – sind in erster Linie dafür verantwortlich. Insgesamt wird die Geschäftslage in der Industrie damit etwas positiver eingeschätzt als noch vor ein paar Monaten. Zürcher Industriefirmen sehen sich dank der Zoll-Reduktion zuletzt auch im Wettbewerb wieder etwas besser positioniert. Die Stimmung bleibt jedoch verhalten optimistisch.

Mit der aktuellen US-Regierung bleibt die Unsicherheit im internationalen Handel gross. Ausserdem sind die Strafzölle von 15% für Schweizer Ausfuhren in die USA in Kombination mit einem starken Franken für Exporteure auch so schon eine Verschlechterung. Hinzu kommt, dass die ungenügende Nachfrage für über die Hälfte der befragten Unternehmen weiterhin das grösste Produktionshemmnis bleibt. Weiterer Druck auf Industriearbeitsplätze ist in den kommenden Monaten indes nicht zu erwarten.