Konjunktur Zürich 1. Quartal 2026

Zürcher Konjunktur im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft

Zürich ist aufgrund seiner Branchen- und Exportstruktur etwas weniger betroffen von den US-Zöllen als die Gesamtschweiz.

04. Februar 2026

Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Zürcher Gesamtwirtschaft hat sich im letzten halben Jahr verhalten, aber robust entwickelt. Die Geschäftslage zeigt seit Jahresbeginn wieder eine Aufwärtsbewegung.

Die weltweite Wirtschaftsentwicklung wird nach wie vor massgeblich von geopolitischen Risiken und der unsicheren US-Handelspolitik geprägt. Die in den letzten Jahren eher schwächelnde globale Wirtschaft, der auf diverse Länder erhobene «US-Zollhammer» und die darauffolgenden ständig wechselnden Entwicklungen, aber auch geopolitische Spannungen: All dies belastet die Stimmung, erhöht die Planungsunsicherheit und dämpft die Erwartungen vieler Wirtschaftsakteure bis heute.

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Stimmungsindikatoren und Realwirtschaft: Während sich die Konsumentinnen und Konsumenten in den meisten Ländern pessimistisch zeigten, zeichneten die Daten eine überraschend robuste Entwicklung der Weltwirtschaft. Insgesamt fällt der reale gesamtwirtschaftliche Dämpfer durch die Zölle bisher weniger stark aus als befürchtet, auch wenn die Unsicherheit anhält. Begünstigt wird dies durch die Zollausnahmen auf verschiedene Warengruppen wie Pharmaprodukte, aber auch den Umstand, dass angedrohte Zolldekrete oft nicht umgesetzt oder entschärft werden. Es zeigt sich aber auch, dass die Bedeutung der USA für den Welthandel in der öffentlichen Debatte oft überschätzt wird.

Für den Kanton Zürich lässt sich konstatieren, dass dieser im gesamtschweizerischen Vergleich aufgrund seiner Branchen- und Exportstruktur weniger von den US-Zöllen betroffen ist. Gleichwohl zeigt sich auch hier: Die Zürcher Exporte in die USA sind von August bis November um über einen Fünftel eingebrochen gegenüber derselben Vorjahresperiode. Ein grosser Teil dieses Verlustes konnte jedoch durch eine Zunahme der Exporte in andere Länder kompensiert werden, so dass insgesamt «nur» eine Abnahme der Gesamtexporte von 2% resultierte.

Gesamtwirtschaft: Verhalten, aber robust

Vor diesem Hintergrund präsentiert sich die Zürcher Gesamtwirtschaft verhalten, aber robust. Die Geschäftslage hat sich im letzten Halbjahr auf einem leicht tieferen Niveau stabilisiert und zeigt seit Jahresbeginn wieder eine Aufwärtsbewegung.

Im Vergleich zur Schweiz steht Zürich bei der aktuellen Lage unter anderem aufgrund seines breit diversifizierten Branchenmixes tendenziell besser da. Einerseits hat der Exportsektor für den Kanton Zürich im Allgemeinen weniger Gewicht als für die Gesamtschweiz. Andererseits gestaltet sich die Struktur der Absatzmärkte derzeit vorteilhaft: So gingen in den letzten Jahren nur 13% der Zürcher Warenexporte in die USA (Schweiz: 18%). Zudem ist der Wertschöpfungsanteil des Industriesektors im Kanton Zürich geringer als in der Gesamtschweiz.

Besonders solide bleibt die Geschäftslage im Baugewerbe als Binnenbranche, wenngleich die derzeitige Zurückhaltung bei unternehmerischen Investitionen die Nachfrage nach industriellen Bauten dämpft. Ebenfalls robust bleibt die Lage bei Finanzdienstleistungen, auch wenn 2025 für Zürcher Banken etwas anspruchsvoller war. Die Geschäftserwartungen liegen trotz einer seit Ende 2025 beginnenden Erholung noch immer tiefer als vor der Coronapandemie. Die Geschäftserwartungen der Gesamtwirtschaft waren im Kanton Zürich und der Schweiz in den vergangenen Monaten beinahe deckungsgleich.

Unter Einbezug verschiedener Prognosen geht das Konjunkturboard für 2026 von einem moderaten BIP-Wachstum von real 1 bis 1,5% im Kanton Zürich aus (sporteventbereinigt). In der zweiten Jahreshälfte dürfte der Kanton aufgrund des anziehenden globalen Wirtschaftswachstums und den nach wie vor konstanten Konsumausgaben wieder etwas dynamischer wachsen. Im Zuge steigender Exporte sollte sich die Auslastung der industriellen Produktionskapazitäten erhöhen, was auch die Investitionstätigkeit stützen wird.

Schwerpunkt Industrie: Angespannte Lage, aber auf Erholungskurs

In der Industrie bleibt die Lage angespannt. Seit 2023 leidet die Branche vermehrt unter einer ungenügenden Nachfrage – geprägt von der schwachen Entwicklung in der Eurozone, insbesondere in Deutschland, sowie vom starken Franken. Die Zollthematik sorgte und sorgt für eine zusätzliche Belastung. Die Auftragslage ist entsprechend schwach. Die herausfordernde Lage in der Industrie spiegelt sich in der tieferen Auslastung der Produktionskapazitäten.

Dennoch hat sich der Ausblick zuletzt aufgehellt: Erwartete Entspannungssignale im Zollkonflikt und die Gleichstellung in Sachen Zölle mit der EU sowie das angekündigte deutsche Fiskalpaket – für Zürcher Industrieunternehmen ist der deutsche Markt relevanter als die USA – stützen die Stimmung und sorgen für eine etwas bessere Geschäftsauslastung, auch im Vergleich mit der restlichen Schweiz. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit hoch, und der Margendruck bleibt eine Herausforderung.

Arbeitsmarkt verliert weiter an Dynamik

Das verhaltene Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat am Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. In den letzten zwölf Monaten ist die Arbeitslosigkeit im Kanton Zürich gestiegen, während die Zahl offener Stellen zurückging. Der konjunkturelle Arbeitskräftemangel hat nachgelassen, auch wenn in einzelnen Profilen ein struktureller Engpass bestehen bleibt – etwa in handwerklichen Berufen. Strukturelle Engpässe dürften sich aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft eher noch akzentuieren.

Für die kommenden Monate erwarten die Unternehmen in allen Branchen – mit Ausnahme des Grosshandels – ein geringes, aber positives Beschäftigungswachstum: Es dürften eher Stellen geschaffen als abgebaut werden. Das Konjunkturboard Zürich geht deshalb davon aus, dass 2026 mit der Stabilisierung der Konjunktur auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit abflachen dürfte.

Konjunkturboard Zürich

Das Konjunkturboard Zürich beurteilt halbjährlich die konjunkturelle Entwicklung des Kantons Zürich. Basis dafür bilden die regelmässigen Konjunkturumfragen in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle (KOF Institut) der ETH Zürich.

Das Konjunkturboard Zürich setzt sich zusammen aus dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich, der Zürcher Kantonalbank sowie der Zürcher Handelskammer. Diese breite Kombination bündelt verschiedene Kompetenzen und ermöglicht eine ganzheitliche sowie konsistente Einschätzung zur konjunkturellen Entwicklung im Kanton.